Bonn (DMK) – Rund 500 Besucherinnen und Besucher kamen am 11. September 2026 zum Körnermaistag auf das Klostergut Reinshof, dem Versuchsgut der Georg-August-Universität Göttingen. Der vom Deutschen Maiskomitee e. V. (DMK) gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Georg-August-Universität Göttingen und dem Netzwerk Ackerbau Niedersachsen e. V. veranstaltete Feldtag machte deutlich: Körnermais bietet Ackerbaubetrieben in ganz Deutschland eine wirtschaftlich interessante Möglichkeit, ihre Fruchtfolgen zu erweitern – und das längst nicht mehr nur in den etablierten Anbauregionen. Besonders für Betriebe, bei denen klassische Blattfrüchte wie Raps oder Zuckerrüben bereits an ihre Anbaugrenzen stoßen, kann Körnermais eine zusätzliche Option sein.
Heimischer Körnermais bleibt Mangelware
Mais belegt bundesweit rund 22 % der Ackerfläche, doch bei Körnermais liegt der Selbstversorgungsgrad in Deutschland bei lediglich 62 %. Ein erheblicher Teil des Bedarfs, etwa als Futtermittel für Rinder, Schweine und Geflügel, wird weiterhin importiert. Gleichzeitig zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes eine klare Aufwärtsentwicklung: Die deutsche Körnermaisfläche stieg von rund 430.700 Hektar im Jahr 2021 auf vorläufig 510.400 Hektar im Jahr 2026. Auch die Erträge legten zu: von 84,0 dt/ha im schwierigen Jahr 2022 auf einen Rekordwert von 100,9 dt/ha im Jahr 2025 – bei einer Erntemenge von rund 4,95 Millionen Tonnen. Für Ackerbaubetriebe eröffnet sich damit ein wachsender heimischer Absatzmarkt.
Fruchtfolge auflockern, Probleme lösen
Landwirt Christian Schwetje berichtete beim Körnermaistag aus der Praxis: Körnermais lasse sich gut in die betrieblichen Abläufe integrieren und lockere getreidebetonte Fruchtfolgen wirkungsvoll auf. Das bringe Vorteile im Umgang mit Ackerfuchsschwanz und beim Humusaufbau. Wissenschaftlich untermauerte dies Dr. Horst-Henning Steinmann von der Georg-August-Universität Göttingen: Als spät gesäte Sommerung könne Körnermais Arbeitsspitzen im Frühjahr entzerren und Fruchtfolgen erweitern, die bislang stark von Getreide geprägt seien.
Wirtschaftlichkeit: Trocknung realistisch einplanen, Fruchtfolgeeffekt mitrechnen
Da Körnermais in der Regel mit höherer Feuchtigkeit als Getreide geerntet wird, entscheiden Trocknungskapazitäten, Energieaufwand und Logistik wesentlich über die Wirtschaftlichkeit, erläuterten Hannes-Friedrich Böse (Farm am Eulenbruch) und Lennart Neupert (Landhandel Neupert GmbH). Wer frühzeitig plane, für den wird die Trocknung keine unkalkulierbare Kostenfalle sein. In die betriebliche Kalkulation gehören neben dem Ertrag auch Erntefeuchte, Transportwege sowie Lager- und Trocknungskapazitäten. Ein oft unterschätzter Faktor seien zudem die Fruchtfolgewirkungen. Einsparungen bei Düngung und Pflanzenschutz in der Folgekultur können nach vorgestellten Berechnungen bis zu 200 Euro je Hektar erreichen. Dem stünden höhere Saatgut- und Lohnarbeitskosten gegenüber. Für die Preisentwicklung seien laut Stephanie Stöver-Cordes (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) mehrere globale Faktoren gleichzeitig ausschlaggebend. Dazu gehören eine kleinere EU-Ernte, die wachsende Ethanolnachfrage, die brasilianische Maisproduktion, erschwerte Exporte aus der Ukraine sowie Wetterrisiken in Nord- und Südamerika. Betrieben empfiehlt sich daher eine belastbare Kalkulation mit unterschiedlichen Preis- und Kostenszenarien.
Bundesweite Chance – auch für Regionen mit bislang wenig Maisanbau
Bayern (2026 vorläufig 129.000 ha) und Niedersachsen (90.700 ha) bleiben die größten Körnermais-Anbauländer. Deutliches Potenzial zeigt sich aber gerade dort, wo die Kultur bislang kaum verbreitet ist: In Schleswig-Holstein hat sich die Anbaufläche 2026 mit rund 9.200 ha gegenüber dem Vorjahr (1.500 ha) mehr als versechsfacht. Auch in Thüringen (7.900 ha), Rheinland-Pfalz (11.800 ha) und Mecklenburg-Vorpommern (15.500 ha) stieg die Anbaufläche deutlich. Hier könnte Körnermais als zusätzliche Blattfrucht in Zukunft Fruchtfolgen sinnvoll ergänzen, ohne dass es einer grundlegenden Umstellung der Betriebsstruktur bedarf. Auch in den ostdeutschen Anbauregionen wächst die Bedeutung: In Sachsen-Anhalt und Brandenburg legte die Fläche spürbar zu. Das zeigt, dass sich Körnermais mit angepasster Sortenwahl auch unter trockeneren Bedingungen etablieren lässt.
Wissenstransfer entlang der gesamten Verfahrenskette
Ob sich der Anbau für einen Betrieb lohnt, hängt vom Zusammenspiel vieler Faktoren ab: Standort, Fruchtfolge, Erntelogistik, Trocknung, Lagerung und Vermarktung müssen gemeinsam betrachtet werden. Angesichts des wachsenden heimischen Bedarfs und der begrenzten Selbstversorgung lohnt sich für viele Ackerbaubetriebe in Deutschland – auch außerhalb der klassischen Maisregionen – ein genauer Blick auf die Kultur.
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