Mais 2026: Wetterkapriolen setzen Maisbeständen zu

Aussaat/Anbau/Ernte

Bonn (DMK) – Anhaltende Sommerhitze, extreme Trockenheit und Unwetter haben die Maisbestände in Deutschland im Jahr 2026 stark gezeichnet. Ein aktueller regionaler Überblick der Landwirtschaftskammern und Landesanstalten zeigt ein extrem gespaltenes Bild: Während in Süd- und Teilen Westdeutschlands Notbeerntungen zur Futtersicherung laufen und erhebliche Ertragseinbußen drohen, stehen die Bestände im Norden und Nordosten überwiegend stabil da oder lassen passable Erträge erwarten. Besonders auf leichten Sandböden ohne Beregnung führten fehlende Niederschläge in der kritischen Blüte- und Kornfüllungsphase zu Vertrocknungen, unvollständiger Befruchtung und Kolbenlosigkeit. Vielerorts wird ursprünglich geplanter Körnermais nun frühzeitig als Silomais gehäckselt. Expertinnen und Experten mahnen zudem beim Siliermanagement zur Vorsicht, da kolbenarme Bestände ein erhöhtes Risiko für Sickersaftaustritt und aerobe Instabilität bergen.

Regionale Bestandssituation

Baden-Württemberg & Rheinland-Pfalz: Früher Erntebeginn und massive Schäden        

Nach einem vielversprechenden Start führten Hitze, Dürre sowie lokale Unwetter (Hagel/Sturm) ab Mitte Juni zu deutlichen Einschnitten. Die Maisernte läuft bereits auf Hochtouren. Im Schnitt werden Erträge bei Körnermais unter 75 dt/ha und bei Silomais unter 300 dt/ha erwartet; auf leichten Standorten drohen Einbußen von über 50 % bis hin zum Totalausfall. Zudem begünstigte die Witterung Schädlinge wie den Maiswurzelbohrer (Oberrhein) sowie die Ausbreitung von Stechapfel und Maisbeulenbrand.

Bayern: Massive Dürreschäden und angespannte Futtersituation 

In allen Regierungsbezirken in Bayern hinterlässt die Trockenheit erhebliche Spuren. In der Oberpfalz, Mittel-, Unter- und Niederfranken sowie Teilen Oberbayerns laufen Not- und Frühbeerntungen. Ertragseinbußen von 25 % bis 60 % prägen dabei das Bild. Der nach Getreide gesäte Zweitfruchtmais ist fast flächendeckend ausgefallen. Die Futterlage bei Tierhaltern ist extrem angespannt, da auch die Grasernte ausgefallen ist. Vereinzelt werden Rinderbestände reduziert und Körner- bzw. Biogasmais zu Silomais umgenutzt. Jüngste Niederschläge in KW 34 bremsen die Ernte zwar kurz ab, kommen für weit abgereifte Flächen jedoch zu spät.

Niedersachsen: Extremes Gefälle zwischen Sandböden und Küstenregionen  

Besonders im Band von Osnabrück bis Bremen (Schwerpunkt Landkreis Diepholz), Richtung Hamburg und Nienburg sind Bestände auf leichten Böden vertrocknet und erfordern eine Notbeerntung zur Rettung des Futterwerts. Demgegenüber zeigen Bestände im Südoldenburger Raum, in Ostniedersachsen, Südhannover und zur Küste hin noch ein erstaunlich gutes und vitales Bild. Bei ungeschädigten Beständen wird die Silomaisernte Ende August anrollen.

Nordrhein-Westfalen: Entspannung durch Niederschläge, früher Erntestart im Süden        

Regenfälle in der dritten Augustwoche haben das Abreife-Geschehen gebremst. Während auf leichten Böden im Rheinland und Westfalen erste dürregeschädigte Flächen gehäckselt wurden, wird die Hauptsilomaisernte im Münsterland und Rheinland Anfang September anrollen. In Ostwestfalen und den Höhenlagen zeigt sich der Mais ernteelastisch; dort startet die Ernte voraussichtlich ab der zweiten Septemberdekade. Von den rund 70.000 ha zur Körnermaisnutzung vorgesehenen Flächen in NRW dürfte ein Teil als Silomais geerntet werden.

Hessen: Hitzestress in Mittel- und Südhessen, große Streuung im Norden                      

Langanhaltende Hitze seit Mitte Juni traf den Mais sensibel in der Blüte. Die Bestände in Mittel- und Südhessen verzeichnen einen geringen Wuchs, kolbenlose Bestände und Notreife auf leichten Böden. In Nordhessen zeigt sich je nach Bodenart eine extreme Spanne zwischen zwergwüchsigen Dürreflächen und normalen Beständen. Jüngster Regen bremst nun die Abreife und ermöglicht gesunden Pflanzen eine weiteren Stärkeeinlagerung.

Brandenburg: Stark differenzierte Bestände und Ertragserwartungen                                                     

Die Bestandshöhen schwanken extrem zwischen einem und drei Metern. Auf sehr leichten Böden herrschen Trockenschäden mit fehlender Kolbenbildung vor, woraus erste Notbeerntungen resultierten. Beständen auf guten Böden und auf grundwassernahen Standorten geht es hingegen gut. Der Erntebeginn auf breiter Fläche wird für Ende August erwartet; Körnermais wird in diesem Jahr nur eine geringe Rolle spielen.

Schleswig-Holstein & Mecklenburg-Vorpommern: Stabile Lage im Norden                                                

Im äußersten Norden präsentiert sich die Situation entspannt. In Schleswig-Holstein stehen die Bestände dank ausreichender Wasservorkommen größtenteils gut da; massive Ertragseinbußen sind trotz relativer Trockenheit nicht zu befürchten. Hier wurden die Bestände eher durch die anhaltend hohen Temperaturen gestresst. Ernteaktivitäten stehen hier noch nicht an. Auch in Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich der Mais überwiegend aussichtsreich.

Empfehlung für landwirtschaftliche Betriebe

Die Betriebe sollten ihre Bestände sehr genau im Auge behalten um den passenden Erntezeitpunkt nicht zu verpassen. Je nach Ausgangslage sollte der Einsatz von Silierhilfsmitteln in Erwägung gezogen werden. Zur Unterstützung der Betriebe bietet das Deutsche Maiskomitee sein Prognosemodell „MaisProg“ kostenlos an. Das Online-Tool unterstützt die Betriebe dabei, den optimalen Zeitpunkt für die Silomaisernte zu bestimmen. Weitere Informationen unter www.maisprog.de.

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